Parkinson-Nachrichten

Artikel zu unterschiedlichen Themen im Zusammenhang mit der Parkinson-Krankheit

Haben Forscher aus Dresden Parkinson-Heilmittel im Joghurt gefunden?

Mit Prof. Anthony Hyman und Prof. Teymuras Kurzchalia haben zwei renommierte Forscher des Max-Planck-Instituts für molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden eine Aufsehen erregende Entdeckung gemacht, die Hoffnung auf eine neue Parkinson-Therapie macht. Eher zufällig entdeckten die Wissenschaftler, dass Parkinson-geschädigte Nervenzellen der Substantia Nigra durch die Zufuhr der beiden natürlichen Substanzen Glykolat und/oder D-Laktat wieder zur vollen Funktionsfähigkeit gebracht werden können. Das erstaunliche Ergebnis: Sogar die Mitochondrien – die Kraftwerke der Zellen – erholen sich wieder und kehren zu ihrer ursprünglichen Leistungsfähigkeit zurück.

Die genaue Wirkweise dieser erstaunlichen Zell-Heilung konnte zwar bislang noch nicht entschlüsselt werden, klar ist aber: Mit Glykolat und D-Laktat wurden zwei Wirkstoffe gefunden, die in der Lage sind, die im Zuge einer Parkinson-Erkrankung geschädigten Neuronen zu heilen. Abgestorbene Neuronen lassen sich aber wohl nicht mehr reaktivieren. Die Hoffnung, die Parkinson-Krankheit mithilfe einer medikamentösen Anwendung zum Stillstand zu bringen und eine Besserung des gesundheitlichen Zustands zu erreichen, scheint demnach durchaus realistisch. Selbst der Einsatz von Glykolat und D-Laktat zur Parkinson-Prävention scheint möglich. Die gute Nachricht: Beide Substanzen kommen in gewöhnlichen Lebensmitteln vor und können über den Verdauungstrakt vom Körper aufgenommen werden. Sie sind in der Lage, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden und deshalb bei Verabreichung im Gehirn verfügbar.

Glykolat kommt vermehrt in unreifen Obstsorten wie unreifen Pflaumen vor. Unklar ist aber noch, welche Mengen unreifes Obst erforderlich sind, um eine relevante Glykolat-Konzentration im Gehirn zu erreichen. D-Laktat ist eine linksdrehende Milchsäure, die von bestimmten Joghurt-Bakterien (lactobacillus bulgaricus) hergestellt wird. Ziel der weiteren Forschungsarbeiten ist es also, die Zusammenhänge weiter aufzuklären und möglicherweise einen speziellen Joghurt mit einem hohen Gehalt an D-Laktat zu entwickeln. Bei handelsüblichen Joghurts werden überwiegend andere Kulturen eingesetzt. In der Regel sind dies lactobacillus bifidus und lactobacillus acidophilus. Außerdem kann sich die Zusammensetzung jederzeit ändern, ohne dass dies auf der Verpackung dokumentiert wird. Positive gesundheitliche Effekte hinsichtlich einer Parkinson-Erkrankung lassen sich demnach nicht mit Joghurts aus dem Supermarkt erzielen.

Meilenstein in der Parkinson-Diagnose

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Parkinson Gesellschaft (DPG) gaben Mitte Februar 2017 gemeinsam bekannt, dass neueste Forschungsergebnisse in der Parkinson-Diagnose auf neue Therapie-Möglichkeiten hoffen lassen. Deutschen Neurologen ist es gelungen, – vor Ausbruch der typischen Bewegungseinschränkungen – mittels einer kleinen Hautprobe die Parkinson-Erkrankung festzustellen.

Diese Nachricht kann zweifelsfrei als Meilenstein in der internationalen Parkinson-Forschung betrachtet werden. Durch den Nachweis von pathologischen Eiweißablagerungen in den feinen Nervenenden der Haut kann die Diagnose Parkinson gelingen. Die Neurowissenschaftler Dr. Kathrin Doppler, Prof. Dr. Claudia Sommer (Würzburg) und Prof. Dr. Wolfgang Oertel (Marburg) sind die Publizisten dieser wegweisenden Arbeit (in Acta Neuropathologica 2017). In ihrem Fachartikel legen sie dar, dass bei Risikopatienten mit der sogenannten REM-Schlafverhaltensstörung der Biomarker Alpha-Synuclein in der Haut identifizierbar ist – und das bereits Jahre bevor der Patient sichtbar erkrankt. Bislang war die Diagnose Parkinson vor allem im Früh stadium (Prodromalphase) schwer festzustellen, da die Erkrankung meist mit unspezifischen Beschwerden wie Nachlassen des Geruchsinns oder Verdauungsstörungen einhergeht. So können Jahre vergehen bis die Erkrankung des zentralen Nervensystems so weit fortgeschritten ist, dass die Diagnose Parkinson gestellt werden kann.

Bereits 2014 konnten Forscher nachweisen, dass sich der Biomarker Alpha-Synuclein nicht nur im Gehirn ablagert, sondern auch in der Haut. Untersuchungen des Gehirns konnten erst nach dem Tod eines Patienten durchgeführt werden. Die neueste Studie zeigt jedoch, dass sich die vielen Forschungsfelder zur Parkinson-Erkrankung ergänzen. Denn die aktuellen Forschungsergebnisse aus 2017 zeigen, dass die Arbeitsgruppe um Dr. Kathrin Doppler einen wichtigen Schritt weiter ging. Sie untersuchten Patienten mit und ohne REM-Schlafverhaltensstörung (REM sleep behaviour disorder, RBD). Die Schlafstörung gilt als signifikantes Frühsymptom der Parkinson-Krankheit. Erstautorin Dr. Doppler konstatiert: "Unsere Studie liefert Evidenz dafür, dass phosphoryliertes Alpha-Synuclein schon in dermalen Nervenfasern von Patienten vorhanden ist, die an REM-Schlafstörung leiden. Die Ablagerungen können bei diesen Patienten als periphere histopathologische Marker für eine Alpha-Synculeinopathie genutzt werden, die vor dem Einsetzen von motorischen Symptomen bei Morbus Parkinson auftritt".

Mobil bleiben trotz Parkinson

Unter welchen Umständen kann ich (noch) sicher mit dem Auto fahren? Diese Frage sollten sich alle Autofahrer im fortgeschrittenen Alter stellen. Für Menschen, die an Parkinson erkrankt sind, gilt dies in besonderem Maße. Besser als sich die Frage selbst zu beantworten, ist eine fachliche Beurteilung der Fahrtauglichkeit durch einen Experten. Ein gründlicher Check der verkehrsmedizinischen Befundlage sowie eine Überprüfung der Wahrnehmungs-, Konzentrations- und Leistungsfähigkeit im Verkehr bietet gleich in mehrfacher Hinsicht Vorteile, denn: Ist die Fahr-Fitness in Ordnung, dann sind die Betroffenen von Sorgen oder Unsicherheiten befreit und können ihre Mobilität genießen. Hinzu kommt, dass sie etwas Schriftliches in der Hand halten. Damit ist man auch rechtlich auf der sicheren Seite – zum Beispiel bei Auseinandersetzung mit Versicherungsunternehmen.

Sollten Einschränkungen beim Fahren zu berücksichtigen sein, dann erhalten Parkinson-Erkrankte eindeutige Auskünfte und hilfreiche Empfehlungen für sicheres Verhalten im Straßenverkehr. Mit Trainings und anderen unterstützenden Maßnahmen kann eine eingeschränkte Fahrtauglichkeit zudem wieder verbessert werden. Entsprechende Untersuchungen bietet der TÜV SÜD Life Service an. Nähere Informationen zum Fitness-Check erhalten Sie im Internet unter www.tuev-sued.de/fitness-check

(dPV Presseartikel Nr. 20170228)

 

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